Seit der Teil-Legalisierung von Cannabis hat sich für Autofahrer viel verändert – und es herrscht große Verunsicherung. Die gute Nachricht zuerst: In vielen Fällen ist heute keine MPU mehr nötig, wo früher eine angeordnet worden wäre. Dieser Ratgeber erklärt dir ruhig und Schritt für Schritt, was aktuell gilt, wann die MPU trotzdem droht – und wie du deinen Führerschein möglichst schnell zurückbekommst.

Der neue THC-Grenzwert: 3,5 ng/ml

Seit dem 22. August 2024 gilt im Straßenverkehr ein THC-Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blutserum. Vorher lag er bei nur 1,0 ng/ml – das kam praktisch einem Totalverbot gleich. Wichtig zu wissen: Auch 3,5 ng/ml sind schnell erreicht, weil THC im Körper lange nachweisbar bleibt. Strengere Regeln gelten weiterhin für Fahranfänger in der Probezeit, für unter 21-Jährige und bei Mischkonsum mit Alkohol (für den am Steuer ein absolutes Alkoholverbot gilt).

Wann du heute keine MPU mehr brauchst

Mit dem neuen § 13a der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) wurde Cannabis weitgehend mit Alkohol gleichgestellt. Für Ersttäter bedeutet das: Ein einmaliger Verstoß mit einem Wert knapp über dem Grenzwert führt in der Regel nicht mehr automatisch zur MPU. Vereinfacht gilt: Du hast zwei Cannabis-Fahrten „frei" – erst ab der zweiten wird die MPU regelmäßig angeordnet.

Wann die MPU trotzdem droht

Die Behörde darf weiterhin eine MPU anordnen, wenn besondere Zusatztatsachen vorliegen. Dazu gehören typischerweise:

  • wiederholte Verstöße (oft schon beim zweiten Mal),
  • ein sehr hoher akuter THC-Wert (Richtwert ab etwa 11 ng/ml),
  • ein hoher Abbauwert THC-COOH (Richtwert ab etwa 150 ng/ml), der auf regelmäßigen Konsum hindeutet,
  • Mischkonsum mit Alkohol,
  • Anzeichen einer Abhängigkeit.

Führerschein zurück ohne MPU: die Amnestie-Regel

Besonders wichtig für alle, die ihren Führerschein vor der Gesetzesänderung verloren haben: Wurde dir die Fahrerlaubnis damals nur wegen des alten 1,0-ng-Grenzwerts entzogen und lag dein Wert unter dem heutigen Grenzwert, kann die Entscheidung als rechtswidriger Verwaltungsakt zurückgenommen werden (§ 48 VwVfG). In vielen dieser Fälle ist die Rückgabe ganz ohne MPU möglich – Voraussetzung ist meist ein einmaliger Verstoß ohne Mischkonsum und ohne Hinweise auf Abhängigkeit.

In der Praxis halten sich aber noch nicht alle Führerscheinstellen an die neue Linie und ordnen weiterhin eine MPU an. Solche Bescheide sind oft rechtlich angreifbar – hier lohnt es sich, die eigene Situation prüfen zu lassen, statt den Bescheid einfach hinzunehmen.

Wenn die MPU doch kommt: so bestehst du

Ohne Vorbereitung liegt die Durchfallquote bei rund der Hälfte aller Teilnehmer. Mit guter Vorbereitung steigt die Erfolgsquote deutlich. Die häufigsten Fehler:

  • Widersprüche zwischen den eigenen Angaben und den Laborwerten. Ehrlichkeit ist der einzige Weg.
  • Keine konkrete Rückfallprävention. „Ich höre einfach auf" reicht dem Gutachter nicht – er will nachvollziehbare Strategien und eine echte Verhaltensänderung sehen.
  • Unvorbereitet ins Gespräch gehen – der teuerste Fehler überhaupt.